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Religion und Gesellschaft: Was macht den Islam für Frauen attraktiv?
Tag der offenen Tür bei Bildungszentrum Iman für Musliminnen – "Wir wollen zurück zu den Quellen“ – Reizthema Kopftuch

Was macht den Islam für manche deutsche Frauen attraktiv? „Der Islam ist eine ganz logische Religion“, erklärt Verena Bayram, die nach eigenem Bekenntnis „schon immer stark an Gott geglaubt“ hat – und im Islam gebe es eben nur den einen Gott, nicht die heilige Dreifaltigkeit. Mit Blick auf die unbestreitbare Unterdrückung der Frauen in großen Teilen der islamischen Welt räumt die Fünfundzwanzigjährige im Iman-Gebetsraum ein, die Religion habe sich „in Jahrhunderten sehr patriarchalisch entwickelt. Wir wollen zurück zu den Quellen.“

Immer wieder das Tuch. „Das Thema Kopftuch“, seufzt Verena Bayram, „wird stark aufgebauscht.“ Sie selbst trägt eins, seit fast zehn Jahren schon – mal aus Gewohnheit, mal aus Trotz, oft „weil es wunderschön ist“ und immer, um als gläubige Muslimin erkannt zu werden. „Aber die Frauen müssen freiwillig entscheiden“, betont sie. Druck sei unislamisch. Klar ist allerdings: Der Prophet wünscht, dass von Frauen nach der Pubertät nur noch Gesicht und Hände zu sehen sind. Begehrenswert würden Frauen ja nicht zuletzt durch die Haare, sagt Bayram. Wie man schon an der Werbung sehe.

„Ich kann Ihnen versichern, dass Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit und ein aktives modernes Leben durchaus in Einklang zu bringen sind mit islamischer Religiosität und Lebensweise“, sagte Bayram gestern zur Eröffnung des Tags der offenen Tür beim Bildungs- und Freizeitzentrum Iman für muslimische Frauen in der Landgraf-Georg-Straße. Die 25 Jahre alte Diplom-Sozialpädagogin gehört dem Vorstand des Trägervereins an und ist typisch für die 60 bis 70 Mitglieder: Viele von ihnen sind freiwillig zum Islam konvertierte Deutsche wie sie, viele haben ein hohes Bildungsniveau. Mädchen und Frauen aus rund 20 Nationen nutzten die Angebote des Zentrums, gemeinsame Umgangssprache sei Deutsch.

Besonders wichtig für den 2001 aus einer Mädchengruppe hervorgegangenen Verein Iman sei der „Erwerb von Wissen“, sagte Bayram. So biete man Islamunterricht für Kinder sowie Arabisch- und Rezitationskurse an, um die Lektüre des Korans im Original zu ermöglichen. Die Frauen sollten sich mit ihrer Religion befassen, um ihre Rechte wahrnehmen zu können.

Bayram nannte ein Beispiel: Der Prophet Mohammed habe die Gläubigen ausdrücklich aufgefordert, ihre Töchter Reiten, Bogenschießen und Schwimmen zu lehren – ein starkes Argument für Mädchen, denen die Eltern die Teilnahme am Schwimmunterricht untersagen wollten.

Auch in anderen Konfliktfällen – etwa der Teilnahme an Klassenfahrten – suche der Verein nach „Lösungen, mit denen beide Seiten zurechtkommen“, sagte Bayram. Dabei rufe man nicht dazu auf, sich über Regeln des Islams hinwegzusetzen. „Wir versuchen, Extreme in jeder Richtung zu vermeiden.“ Iman gebe Tipps für Studium, Beruf und Alltag – etwa Hinweise auf Fitnessstudios oder Cafés, in denen sich islamisch gekleidete Frauen nicht diskriminiert fühlen müssten.

„Sehr beeindruckt“ von den Iman-Aktivitäten zeigte sich Sozialdezernent Jochen Partsch in seinem Grußwort: „Ich wünsche Ihnen viel Gelegenheit, mit der Stadtgesellschaft ins Gespräch zu kommen.“

Was macht den Islam für manche deutsche Frauen attraktiv? „Der Islam ist eine ganz logische Religion“, erklärt Verena Bayram, die nach eigenem Bekenntnis „schon immer stark an Gott geglaubt“ hat – und im Islam gebe es eben nur den einen Gott, nicht die heilige Dreifaltigkeit. Mit Blick auf die unbestreitbare Unterdrückung der Frauen in großen Teilen der islamischen Welt räumt die Fünfundzwanzigjährige im Iman-Gebetsraum ein, die Religion habe sich „in Jahrhunderten sehr patriarchalisch entwickelt. Wir wollen zurück zu den Quellen.“

An dieser Stelle hakt im Gespräch die Iranerin Fariba ein. Die 47 Jahre alte Besucherin – ihren Nachnamen will sie aus Sorge vor Übergriffen nicht nennen – hat sich vom Islam losgesagt: „Ich mochte dessen Regeln und Gesetze nicht mehr – alte Gesetze, die man nicht ändern kann.“

Ihr Haar trägt Fariba offen. „Warum sollte ich mich vor den Männern verstecken? Wenn Männer mit meiner Sexualität Schwierigkeiten haben, ist das deren Problem, nicht meins.“ Es sei nicht hinnehmbar, neunjährige Mädchen zum Tragen des Kopftuchs zu zwingen.

Verena Bayram stimmt zu: Mädchen müssten selbst entscheiden. Viele Benachteiligungen von Frauen in der islamischen Welt gingen auf Traditionen zurück, nicht auf den Koran selbst.

Genau dies aber bestreitet Fariba energisch: „Männer dürfen vier Frauen haben, ungehorsame Ehefrauen schlagen, Frauen haben kein Recht auf Scheidung, kein Sorgerecht, werden bei Untreue gesteinigt – all das ist islamisches Gesetz, nicht Tradition.“

Vier Ehefrauen, schränkt Angela El-Moussati von Iman ein, das gelte doch „nur unter bestimmten Bedingungen“. Und die Sure mit dem Recht, Frauen zu schlagen, könne nach neuesten Studien auch anders aus dem Arabischen übersetzt werden.

Die Perspektive deutscher Konvertitinnen scheint bisweilen eine andere zu sein als die von Frauen aus islamischen Ländern, die sich manche Freiheiten erst erkämpfen mussten.

„Wenn man mit etwas als Zwang aufwächst“, glaubt Iman-Vorstandsmitglied Alexandra Weber, „kann man es nicht lieben.“ Auch die junge Darmstädterin ist freiwillig Muslimin geworden, hat später einen Marokkaner geheiratet. Besuche im Iman-Zentrum hätten ihr die Religion nahe gebracht: „Ich habe mich dort immer so wohl gefühlt.“

 

Quelle: echo-online.de -- 31.01.2007
  
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