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Lesermeinungen
„La Familia“ oder das Gipfeltreffen der G8

Wer den Süden Italiens auch nur aus der Ferne kennt, der hat auch über die großen Familien gehört. Es sind ja mehrheitlich Familien aus dem Kalabrien oder Sizilien. Sie heißen dann entweder Gamorra oder Cosa Nostra (Unsere Sache), im Allgemeinen kennt man sie unter dem Sammelbegriff „Mafia“. Wenn Sie zu den Ungeduldigen gehören, fragen Sie sich mit Sicherheit schon, ob das Thema in eine Zeitschrift gehört, die eher über islamische Kultur berichtet.

Wenn ich ehrlich bin, wusste ich nicht genau welche Überschrift ich nehmen sollte, „G8“ oder „La Familia“. Ihr werdet euch mit Sicherheit fragen, sind die beiden Organisationen sich so ähnlich, dass der Vergleich angebracht wäre? Ich denke schon. Die italienischen Familien sind im legalen und illegalen Geschäftsleben sehr  mächtig und dies schon seit dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Italien ist nicht in der Lage diese Mafiosi-Vereinigungen aus dem öffentlichen Leben zu drängen. Sie ähnelt einer Krake: Ihre Arme umarmen (umschließen) alle Teile der Gesellschaft, von den einfachen Drogen-Dealern auf der Straße bis in die hohe Politik. Hin und wieder gibt es auch blutige Kämpfe untereinander und auch gegen den Staat. Und zwar so schlimm, dass Armeeeinheiten ausrücken müssen. Aber wenn es Probleme um Gebietsaufteilung gibt, kommen die Mafiabosse (Capo) zusammen, um die Aufteilung etwas unblutiger zu gestalten.

Die Welt hat zwei große Aufteilungskriege erlebt. Davor und danach sind zig Stellvertreterkriege im Namen der relevanten Großmächte geführt worden. Während dieser Kriege sind Millionen von Menschen getötet worden. Es wurden neue Grenzen gezogen. Es entstanden neue Mächte, neue Staaten. Vor allem nach den Korea- und Vietnamkriegen entstand das Bedürfnis die Geschichte der Welt außerhalb der UNO zu regeln. Ohne die Misstöne Jener, die eh keine Rolle in der Weltpolitik spielen. Daraus ist der Gedanke entstanden, die großen und weniger großen Mächte an einem Tisch zu bringen.  Wirtschaft, Finanzen, Umwelt und Menschenrechte sind unter anderem Themen des G8-Gipfeltreffens.

Wollen wir doch mal Einige der Mitglieder der G8 etwas näher unter die Lupe nehmen. Fangen wir doch mit dem gewichtigsten „Member“ - die USA - an. Die USA haben seit ihrer Gründung 40% des mexikanischen Territoriums samt einigen Inselstaaten um den amerikanischen Kontinent sich einverleibt. Die USA haben einige Kriege geführt, die sogar von der UNO als illegal bezeichnet wurden, z. B. die Kriege in Vietnam und der zweite Golfkrieg bei den Millionen Menschen umgekommen sind. Sie führen rund um den Erdball Militäraktionen gegen demokratisch gewählte Regierungen, wie die von Aliende in Chile, Mosadeq im Iran oder die Entführung von Aldo Moro in Italien durch Terroristen. Wie ernst die USA Umwelt und Klimaschutz nehmen, haben sie durch die Nicht-Ratifizierung des Kyoto-Protokolls bewiesen. Die USA drängen im Zuge der Globalisierung auf die vollkommene Öffnung der Märkte, wohlwissend dass die meisten Produkte in den nicht-westlichen Ländern qualitativ und preislich nicht mithalten können. Sollten jedoch beispielsweise Produkte aus dem Agrarbereich versuchen zu konkurrieren, so werden die heimischen Agrarprodukte stark subventioniert. Es heißt, jede Kuh in Europa wäre mit 2 Euro täglich bezuschusst. Doppelt so viel wie der Durchschnittliche Afrikaner täglich zum Leben oder Überleben braucht. Aber auch die Schwerindustrie wie auch Stahl- oder Waffenhersteller werden stark subventioniert. All die Länder, die ihre Produkte nicht subventionieren können, weil finanzielle Möglichkeiten nicht vorhanden sind, sollen ihre eigenen Märkte öffnen und versuchen mit stark subventionierten Produkten zu konkurrieren. Als Finanzjongleure wie George Soros einen Börsencrash herbeigeführt haben, im Jahr 2001 im Eurasischen Raum, hat man gesehen, in welch eine Wirtschaftskrise ein paar Börsenspekulanten eine riesige Region von Indonesien bis Türkei stürzen können. Im Falle von George Soros fließt das Geld auch noch in die Kassen einer Organisation, die sich „Gesellschaft zur Förderung von Demokratie“ nennt. Diese Gesellschaft fördert in unterschiedlichen Ländern Bewegungen wie die Orangen-evolution in der Ukraine und Georgien.

Ein anderes wichtiges Mitglied ist die Russische Föderation. Die Liste der Menschenrechtsverletzungen der Russen ist lang. Sie beinhaltet den Völkermord und die Vertreibung der Tscherkessen und Tataren, die Besatzung unter anderem von Mittelasien, Osteuropa, dem Baltikum und des Kaukasus. Verhaftungen und Deportationen von Millionen Menschen in den  Sibirischen Gulags. Aktueller Völkermord in Tschetschenien. Laut Amnesty International sind in Tschetschenien 350.000 Zivilisten ermordet worden, von denen sind 100.000 junge Männer, die nachts abgeholt wurden und nie wieder heimkehrten.

Zu Sowjetzeiten haben die Russen ihre Nuklearversuche in Kasachstan durchgeführt, somit riesige Gebiete radioaktiv verseucht. Immer noch werden in der verseuchten Region Kinder mit Missbildungen geboren und es herrscht ein hohes Risiko an Krebserkrankung.

Die vorgeschobenen Themen wie Klima und Umweltschutz oder Bekämpfung von Armut sind sekundär wichtig. Primär geht es um Energiequellen, Bodenschätze, also um Energiepolitik. Unter dieser sollte z.B. die Nahost-Mittelasien oder Afrikapolitik westlich oder östlicher G-Mächte bewertet werden. 

Akif Ayyildiz


  
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