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„Stoppt den Moscheebau“
Ralph Giordano, ein 84jähriger, angesehener Journalist, Schriftsteller und Regisseur, der seit 40 Jahren in Köln lebt, hat durch seine Äußerungen zum geplanten Neubau der seit 1985 in Köln-Ehrenfeld bestehenden DITIB Zentralmoschee neben viel Kritik auch Zustimmung erhalten. Zustimmung erhielt Herr Giordano vor Allem von Rechtsradikalen (wie der Gruppierung „Pro Köln“). Schon wegen seiner Vergangenheit kann Herr Giordano, er wurde wegen seiner jüdischen Mutter von den Nazis verfolgt und entkam nur knapp dem Holocaust, nicht als rechtsradikaler Fanatiker verdächtigt werden, was er seinen Äußerungen immer hinzufügt. Diesen Schutzmantel benutzt Herr Giordano um in Ruhe seine islamfeindlichen und menschenverachtenden Äußerungen von sich zu geben. Mir ist unverständlich, wie ein Mensch, der nur knapp den Nazis entkommen ist, auf überzeugend ähnliche Art und Weise wie die Nazis argumentiert und gegen den Neubau eines schon seit 22 Jahren bestehenden Gemeindehauses aufs Feld zieht. Auch wenn wir ihn nicht als Sympathisanten des Rechtsradikalismus verdächtigen können, muss er sich doch darüber im Klaren sein, dass er durch seine Äußerungen Rechtsradikalen Wasser auf die Mühlen gießt. Seine Argumentationen offenbaren, dass Herr Giordano böswillig die tolerante Kölner Gesellschaft spalten und die Muslime in Köln in ihren heruntergekommenen Gebetsräumen in Hinterhöfen und Kellerräumen halten will. Dies ist anscheinend sein Verständnis von Integration. Herr Giordano bringt unwiderlegte Vorurteile als Argumente gegen den Bau der Moschee vor. Er wirft den Muslimen vor in Parallelgesellschaften zu leben und behauptet als Beweis dass muslimische Frauen kein Deutsch sprechen könnten. Natürlich gibt es Defizite im sprachlichen Bereich. Schuld daran sind aber nicht die Migranten selbst, sondern die Mehrheitsgesellschaft. Jahrzehntelang wurde geleugnet dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Sprachförderungsprogramme wurden den Migranten nicht angeboten, während Millionen Russlanddeutsche in Sprachinstituten für teures Geld gefördert wurden. Gerade die DITIB in Köln ist ein Paradebeispiel für den Versuch die Migranten in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. So werden seit 1985 in den Räumlichkeiten der bestehenden Moschee vorwiegend Deutschkurse angeboten, sogar ohne Entgelt, was von Pro Köln und Herrn Giordano natürlich verschwiegen werden. Herr Giordano führt sich auf wie ein Rassist, er vergleicht eine muslimische Frau die sich mit einer Burka komplett verhüllt mit einem Tier und verletzt ihre vom Grundgesetz geschützte Würde, gleichzeitig spricht Herr Giordano von christlich-jüdischem Traditionsgut und von den Errungenschaften der abendländischen Kultur. Wenn die Verletzung der Menschenwürde das Ergebnis dieser Errungenschaften sein soll, lehne ich diese ab. Das Grundgesetz gilt für alle Menschen in diesem Land, egal welcher Religion sie angehören. Herr Giordano ist für mich ein Mensch, der rassistisches Gedankengut verbreitet und die elementaren Grundpfeiler des Grundgesetzes missachtet. Sippenmorde, Zwangsverheiratungen und häusliche Gewalt gegen Frauen werden immer wieder dem Islam und den Muslimen zum Vorwurf gemacht, um daraus zu folgern dass die Integration gescheitert ist, es wird sogar soweit gegangen zu schlussfolgern, die Muslime seien nicht Grundgesetzkonform und würden eine Gefahr darstellen. Wie immer gehen solche Äußerungen zu weit, Sippenmorde, Zwangsverheiratungen und häusliche Gewalt haben mit unserer Religion nichts zu tun, dies sind kulturelle Fehlentwicklungen, die ausgerottet werden müssen. Auf diesem Wege ist schon sehr viel erreicht worden, die Zahl der Menschen mit solch schrecklichem Gedankengut verringert sich stetig. Wir müssen den Menschen klar machen dass Sippenmorde verboten sind und Zwangsverheiratungen nicht erlaubt sind. Sogenannte Ehrenmorde sind ein kapitales Verbrechen gegen die Menschlichkeit, dies kann durch nichts gerechtfertigt werden. Durch moderne, aufgeklärte islamische Theologen in repräsentativen Moscheen können mehr Menschen aus dem islamischen Kulturkreis angesprochen und auf den richtigen Weg geleitet werden, insbesondere die Jugendlichen müssen hier angesprochen werden. Übrigens ist dies auch in deutscher Sprache möglich, wenn der deutsche Staat uns die Möglichkeit für die Ausbildung islamischer Theologen und Imame an deutschen Hochschulen gibt. Es muss sehr viel geschehen, die Moscheegemeinden müssen noch aktiver arbeiten und dafür sorgen dass unsere heranwachsenden Jugendlichen eine gute Bildung erhalten und zu vollwertigen, integrierten Mitgliedern dieser Gesellschaft werden. Herr Giordano prophezeit allen Kölnern Unfrieden und Unruhe falls die Mosche gebaut wird, dies ist der Gipfel der Unmöglichkeit in seinen Äußerungen. Natürlich hat er das Recht seine Meinungen und Gedanken offen zu bekunden, es ist nur schade dass jemand wie er solch provozierende Aussagen von sich gibt. Ich bin mir sicher dass die Kölner Muslime sich von solchen Provokationen nicht beeindrucken lassen werden. Das Recht auf freie Religionsausübung wird vom Grundgesetz gewährt und wird in Zukunft von den Muslimen hoffentlich in würdigeren Räumlichkeiten in Offenheit und Toleranz ausgeübt werden. In Köln leben 150.000 Muslime, davon über 40.000 in Ehrenfeld, sie haben bisher keine einzige repräsentative Moschee in ganz Köln, sondern nur umgebaute Fabrikhallen als Gebetsräume, allein dieser Umstand sollte die Mehrheitsgesellschaft, die sich als humanistisch aufgeklärt und tolerant versteht, ins Grübeln bringen. Wir leben seit 45 Jahren hier und werden auch für immer hier als ein Teil dieser Gesellschaft leben, dies sollten sich alle klar machen. Der einzige Weg uns aus Deutschland zu verjagen wäre ein neuer Holocaust, diesmal an den Muslimen, Gott möge uns vor solch einem Schicksal schützen. Ich denke auch Herr Giordano würde uns davor zu schützen versuchen. Ich hoffe auf ein weiterhin tolerantes, friedliches Miteinander. Kölle Alaaf! Ali Kurt 31.05.2007 |