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Beginn einer neuen Zeit für Muslime in Deutschland
Gründung des Koordinierungsrates der Muslime
Vor den Feierlichkeiten anlässlich des 1480. Geburtstages des ehrwürdigen Propheten Mohammed, Allahs Segen und Frieden auf Ihn, wurde die Gründung des lang ersehnten „Koordinierungsrat der Muslime“ (KRM) in Deutschland bekannt gegeben. In diesem neuen Rat sind mit DITIB, Zentralrat der Muslime, Islamrat und VIKZ die wichtigsten Verbände der muslimischen Community und damit die Mehrzahl derjenigen, die dem Islam angehören, vertreten. Die Ereignisse des 11. Septembers bzw. der ständige Druck seitens der deutschen Behörden, Politiker und Vertreter der nicht staatlichen Organisationen aller Couleur auf die Muslime brachte die Verbandsvertreter immer enger zusammen. Nichtsdestotrotz würde es kaum zum KRM kommen, wenn die neu formierte DITIB nicht bei der Sache mitmachen würde bzw. federführend wäre. Nach der Machtübernahme der liberal-islamischen AKP in der Türkei wurden die ersten Veränderungen bei DITIB vor fast vier Jahren sichtbar, der organisatorisch indirekt dem Staatsminister Prof. Dr. Mehmet Aydin, einem Hochschulprofessor der Islamwissenschaften, untergeordnet ist. Der damalige neue Chef der DITIB, Ridvan Cakir, Botschaftsrat der türkischen Botschaft in Berlin, erwirkte mit seiner neuen offenen Politik zu anderen muslimischen Organisationen in Deutschland eine Kehrtwende bei seiner Organisation. Zum ersten Male in seiner Geschichte stattete DITIB Besuche bei nicht staatlichen muslimischen Verbänden ab. In der Buchhandlung der DITIB in Köln waren Bücher führender muslimischer Intellektueller aus der Türkei nunmehr zu erwerben, die bis dahin boykottiert wurden. Der wichtigste Schritt innerhalb der DITIB erfolgte auch vor einigen Tagen; es wurde ein neuer Vereinsvorstand mit völlig neuen Gesichtern gewählt. Der neue Vorstand besteht nicht mehr aus Mitgliedern, die den Anschein erweckten, auf Lebenszeit diese Ämter bekleiden zu wollen, sondern aus einer Gruppe auserlesener Menschen. Was sich im Ziel und Zweck des Vereins demnächst ändern und was beim Alten bleiben wird, verrät die Konstellation des Vereinsvorstandes. Vorsitzender und sein Stellvertreter sind Regierungsbeamten des türkischen Staates hier in Deutschland. Das zeigt, dass immer noch die türkische Regierung bestimmend bei den Entscheidungsfragen bleiben wird und das ist solange gut, wenn die AKP an der Macht bleibt, die sich für die Belange der Muslime in Deutschland einsetzt. Diese Verbindung zwischen DITIB und türkischer Regierung sollte eigentlich auch die bundesrepublikanischen Behörden nicht stören, da so ein Verhältnis auch zwischen der jüdischen Gemeinde des Zentralrates der Juden in Deutschland und dem Staat Israel zu herrschen scheint. Also zumindest dies ist kein Novum. Die neue Lage ist für den deutschen Staat aber prekär und erfordert neue Strategien. Bis jetzt wurde die organisatorische Vielfalt unter den hiesigen Muslimen den Muslimen zum Vorwurf gemacht. Nun scheint dies bewältigt zu sein und wenn die einzelnen muslimischen Organisationen nicht wieder dem Kleingeist der Vereinsmeierei zum Opfer fallen, muss man die Muslime schon in vielen Lagen des Lebens ernst nehmen und ihnen die lang verwehrten Rechte gewähren. Vieles steht nun als ungelöstes Problem da; Islamunterricht, Anerkennung des öffentlich-rechtlichen Status sind die dringlichsten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob und welche Vorwände den Muslimen diesmal vorgeschoben werden. Andererseits werden muslimische Organisationen auch sehr schnell feststellen müssen, dass ihnen sehr viele qualifizierte Mitarbeiter fehlen und diesbezüglich die jahrelang vernachlässigten Hausarbeiten ihnen mehr Kopfzerbrechen bereiten werden als irgendeine bürokratische Hürde.
Die kommenden Tage bergen viele Neuigkeiten für die Muslime in Deutschland. Alle Mitglieder der KRM müssen ihre Schritte äußerst bedacht machen, damit sie nicht dem Vers widersprechen, den der Präsident des türkisch-staatlichen Präsidiums für religiöse Belange, Prof. Dr. Bardakoglu, sichtlich berührt bei den oben genannten Feierlichkeiten zitierte: „Und haltet insgesamt an Allahs Seil fest und zerfallt nicht und gedenkt der Gnade Allahs gegen euch, da ihr Feinde wart und Er eure Herzen so zusammenschloss, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet; und da ihr am Rande einer Feuergrube wart und Er euch ihr entriss. So macht Allah euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr würdet euch recht leiten lassen“ (Koran 3/103). Muslime erleben die schönste Geburt ihrer Geschichte in Deutschland. Jetzt haben sie es verdient, man sollte es ihnen gönnen. Die NUN-Redaktion |